Und es bewegt sich doch

Der Audi Urban Future Award

Wie sieht urbane Mobilität von morgen aus? Der Audi Urban Future Award will visionäre Wege aufzeigen. Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender des Premium-Herstellers Audi, über den fruchtbaren Dialog zwischen Automobilisten und Architekten.

Sie ist voll und bunt. Riesengroß, oft verschachtelt wie ein Labyrinth, pulsierend und manchmal chaotisch. Fragt man die Wissenschaft, was die Stadt von morgen kennzeichnen wird, verweist sie auf anschwellende Megacitys und urbane Räume, die sich immer mehr verdichten. Was heißt das für die Mobilität? Wird es im Jahr 2030 noch möglich sein, sich unabhängig vom öffentlichen Nahverkehr durch die Metropolen zu bewegen? Wie entlasten wir die Umwelt und wahren dabei die Bewegungsfreiheit des Einzelnen?

Mobilität prägt das urbane Geschehen
Als Premium-Marke, so meinen wir, hat Audi eine besondere Verantwortung, sich diesen Fragen zu stellen. Nicht nur in technischer Hinsicht, so unverzichtbar die Entwicklung alternativer und effizienter Antriebe auch ist. Sondern ebenso aus ästhetischer, soziologischer und städtebaulicher Perspektive betrachtet. Städte sind Orte der Bewegung, Mobilität prägt das urbane Geschehen. Deshalb haben wir in diesem Jahr den Audi Urban Future Award ins Leben gerufen, den mit 100.000 Euro höchst dotierten deutschen Architekturpreis: als Plattform für visionäre Ideen, um nachhaltige Mobilität in veränderten Lebensräumen zu gestalten.

Umdenken und Brücken schlagen
Für die Automobilindustrie stand die Freiheit des Kunden, bequem und mit einem ansprechenden und effizienten Auto von A nach B zu kommen, lange im Mittelpunkt. Audi hat seinen Vorsprung durch Technik hier immer wieder unter Beweis gestellt. Umso wichtiger ist es nun, auch in Fragen der Nachhaltigkeit unserem Premium-Anspruch gerecht zu werden, ohne die Bedürfnisse der Kunden und unsere Markenwerte aus den Augen zu verlieren. Das sind die Kerngedanken, die uns beim Audi Urban Future Award antreiben: Wir wollen die Ersten in der Branche sein, die umdenken und Brücken schlagen zu Disziplinen wie der Architektur. Weil wir wissen, dass die Herausforderungen der Zukunft nur interdisziplinär zu bewältigen sind – indem wir voneinander lernen und uns auf visionäre Prozesse einlassen.

Diskurs über automobile Archetypen
Deshalb haben wir bei der Konzeption des Wettbewerbs auf enge Vorgaben verzichtet und auf Dialog gesetzt. Bereits Anfang des Jahres haben wir in Kooperation mit den Kuratoren von Stylepark international renommierte Architekturbüros zur Teilnahme eingeladen. Sie alle, ob in Barcelona, Peking, Berlin, Kopenhagen oder London ansässig, zählen zu den Pionieren der Szene und sind konsequent interdisziplinär ausgerichtet. Im Mai dieses Jahres luden wir sie zunächst nach Ingolstadt ein. Dort diskutierten sie mit Experten aus unserem eigens für den Award gegründeten Audi Think Tank über Trends wie Elektrifizierung oder multimediale Vernetzung. Zwischen Strategen, Technikern, Architekten und Finanzfachleuten entspann sich ein lebhafter Diskurs: darüber etwa, wie das Auto im Jahr 2030 mit seiner Umwelt kommuniziert – oder welche automobilen Archetypen das Zeitalter der Elektromobilität wohl hervorbringt.

Workshop und Konferenz in London, Finale in 
Venedig
„Selbst wenn es manchmal verschiedene Sprachen waren“, so formulieren es die Kuratoren von Stylepark, „so waren doch alle Beteiligten offen und neugierig, zu erfahren, welche Vorstellungen, Wünsche und Visionen es sind, die die anderen umtreiben.“

Entsprechend fruchtbar gestaltete sich der Austausch während der nächsten Etappe des Wettbewerbs in der Designmetropole London. Dem internen Workshop im Design Museum folgte eine öffentliche Konferenz im Royal Institute of British Architects (RIBA). Wolfgang Egger und Stefan Sielaff, unsere Design-Chefs, unterstützten neben dem Think Tank den kreativen Prozess und Dialog.

Am 25. August wurde der Gewinner des Audi Urban Future Awards in der Scuola Grande della Misericordia in Venedig prämiert. Bis zum 26. September können dort auch die Ergebnisse der Architekten in einer einzigartigen Ausstellungsarchitektur besichtigt werden.

Wahrnehmungsvehikel und einfühlsame Autos
Die Ideenskizzen aus London zeigten schon heute eine beeindruckende Spannbreite. Die Kopenhagener Bjarke Ingels Group – BIG etwa prophezeit, dass Informationstechnologie und Personenverkehr vollständig fusionieren werden – und träumt von automatisierten Fahrzeugschwärmen. Noch weiter gehen J. Mayer H. Architekten aus Berlin, wenn sie Automobile in „Wahrnehmungsvehikel“ verwandeln wollen, die intelligent eigene Wege suchen und sinnliche Erfahrungen produzieren. Alison Brooks Architects, London, analysiert am Beispiel Mumbai die Auswirkungen von sozialen Interaktionsmustern auf die individuelle Mobilität. Cloud 9 aus Barcelona hat gemeinsam mit Kindern die Vision eines „einfühlsamen“ Autos in Form einer Blase entwickelt. Visionär auch der Ansatz aus Fernost: Die Planer von Standardarchitecture aus Peking stellen sich für die Zukunft elektrisch betriebene Fortbewegungsgürtel für Menschen und Fahrzeuge vor, auf denen sich kleine fahrende Bubbles bewegen.

Das Auto bleibt Ausdruck von Individualität
Was genau sich die Architekten unter diesen Stichworten vorstellen, hat erst das venezianische Finale gezeigt. Nur ein Zukunftsszenario spielt offenbar in keinem der Beiträge eine Rolle, obwohl wir dafür durchaus offen gewesen wären: das einer Stadt ganz ohne Autos. Alle Architekten sehen individuelle Fortbewegung weiterhin als wesentlichen Mobilitätsfaktor. Und es bewegt sich doch, bewegt sich auch weiterhin, so die Quintessenz: Das Auto als Ausdruck von Individualität, als Kristallisationspunkt der Emotionen bleibt integraler Bestandteil künftiger Stadtlandschaften. Wir sind gespannt darauf, ob die Teilnehmer an künftigen Wettbewerbsrunden das ähnlich sehen.

Audi arbeitet in der Zwischenzeit mit Hochdruck weiter an seinen Zukunftsprojekten. Im Rahmen von „e-tron“ etwa an neuen Modellen mit elektrischem Antrieb, die auch ästhetisch neue Wege gehen. An Projekten wie car2car oder car2x, die die Vernetzung von Automobilen untereinander und mit ihrer Umwelt weiter forcieren. Oder an neuen Ansätzen für Entertainment und unkompliziertes Arbeiten unterwegs. Auch der interne Think Tank wird sich weiter mit dem Spannungsfeld Stadt, Mobilität und Zukunft auseinandersetzen. Unsere Aufgabe ist es, den Begriff Premium im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen neu zu definieren. Der Audi Urban Future Award gibt entscheidende Impulse dafür.


Rupert Stadler ist Vorsitzender des Vorstands der AUDI AG und Vorstandsmitglied der Volkswagen AG. Er studierte an der Fachhochschule Augsburg Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Unternehmensplanung / Controlling sowie Finanz-, Bank- und Investitionswirtschaft und begann seine berufliche Laufbahn bei der Philips Kommunikations Industrie AG in Nürnberg. 1990 wechselte er zu Audi nach Ingolstadt, wo er Aufgaben im Bereich Controlling für Vertrieb und Marketing übernahm. 1994 trat Stadler als kaufmännischer Geschäftsführer bei der Volkswagen/Audi España SA in Barcelona ein. Von 1997 
an war er Leiter des Generalsekretariats beim Vorstandsvorsitzenden des Volkswagen-Konzerns und von 2002 an zusätzlich Leiter der Konzern-Produktplanung. Seit dem 
1. Januar 2003 ist Rupert Stadler Mitglied des Vorstandes der AUDI AG. Vom 1. April 2003 bis 31. August 2007 führte er den Geschäftsbereich Finanz und Organisation. Seit Januar 2007 ist Rupert Stadler Vorsitzender des Vorstands der AUDI AG. Zusätzlich wurde er zum 1. Januar 2010 in den Vorstand der Volkswagen AG berufen.

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Der Audi Urban Future Award
Ins Leben gerufen im Februar 2010, künftig zweijähriger Turnus

Preisgeld:
100.000 Euro, höchst dotierte deutsche Auszeichnung für Architektur

Auslober:
AUDI AG (Ingolstadt)

Kurator:
Stylepark AG (Frankfurt)

Teilnehmer am Wettbewerb 2010:
Alison Brook Architects (London), BIG (Kopenhagen), Cloud 9 (Barcelona), J. Mayer H. Architekten (Berlin), Standardarchitecture (Peking)

Mitglieder der Jury:
Saskia Sassen, Vorsitzende (London School of Economics, London / Columbia University, New York), Wolfgang Egger (AUDI AG, Ingolstadt), Christian Gärtner (Stylepark AG, Frankfurt), Andres Lepik (Museum of Modern Art, New York City), Ma Jun (Tongji University, Shanghai), Rahul Mehrotra (RMA architects, Mumbai / Massachusetts Institute of Technology, Cambridge), Fernando de Mello Franco (MMBB Arquitectos, São Paulo), Stefan Sielaff (AUDI AG, Ingolstadt) und Rupert Stadler (AUDI AG, Ingolstadt)

Präsentation der Ergebnisse und Preisverleihung:
Ab 25. August 2010 in der Scuola Grande della Misericordia in Venedig
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