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Was ist eine Stadt? Was macht eine Stadt zu einer Großstadt? Was macht eine Großstadt zur Metropole? Was ist überhaupt eine Metropole? Denkt man ans Ruhrgebiet in der Nacht, dann ist man um den Schlaf gebracht. Die Geschichte der Region zwischen Rheinland und Westfalen am Nordrand der uralten variszischen Gebirgskette mit ihrem immer wieder verlandenden Urmeer und riesigen Wäldern entzieht sich den klassischen Zuschreibungen urbaner Qualitäten, die wir in den vergangenen Jahrzehnten selbstverständlich als Orientierung für planerische Leitbilder vermittelt haben. Mit den Kategorien einer europäischen Stadtentwicklung und -kultur kommt man dem Phänomen Ruhrgebiet auf einfache Weise kaum näher. Übliche Terminologien taugen wenig als Beschreibungsversuche und Entwicklungsmodelle für eine Region, die natürlich auch historisch urbane Strukturen aufweist, deren Wirklichkeit aber spätestens seit den eskalierenden Bevölkerungsentwicklungen des 19. Jahrhunderts nicht mehr zu greifen ist.
Über fünf Millionen Menschen leben in 53 Städten, in denen kommunale Grenzen im Sinne ökonomischer Einheiten nur noch eine bedingte Rolle spielen. Das Areal zwischen Emscher und Ruhr, auf dem zwischen Bochum und Dortmund, Essen und Gelsenkirchen, Duisburg und Oberhausen lediglich Stadteingangsschilder noch wahrnehmbare Grenzen markieren, bildet jedenfalls aus nationaler Perspektive schon seit langem eine Einheit. In der Unschärfe dieser populären Betrachtung, die sich immer weniger mit den Unterschieden als mehr mit der Gleichheit der Region beschäftigt hat, liegt sicher im Kern ein wesentliches Stück Wahrheit.
Doch auf der anderen Seite gibt es eben doch Differenzierungen, die in der Struktur und Genese von 53 Städten und drei Regierungsbezirken begründet sind und sich über viele Jahrzehnte verfestigt haben. Es sind Strukturen, die in Zeiten einer prosperierenden Montanindustrie den Nachbarschaften, Quartieren, Dörfern und Städten einen entwicklungspolitisch und sozialökonomisch ordnenden Rahmen gesichert haben. Dass diese Städte mit dem Ende von Kohle und Stahl in der Region lange Jahre ihr Glück im kommunalen Wettbewerb alleine suchten, mag heute Ausdruck dafür sein, wie schwer eine strukturelle Veränderung einzuleiten ist, solange es keinen angemessenen und authentischen Leitgedanken gibt, der oberhalb des Stadtbegriffs Erfolg verspricht.
Die IBA Emscher Park hat in den gut zehn Jahren ihres Bestehens einen entscheidenden Weg gewiesen, neben den gefühlten Stolz auf Stadien und Nachbarschaften den Blick auf das gemeinsame industrielle Erbe der Region zu lenken und es in wertvollen öffentlichen Bildern festzuhalten. In den elf Jahren, die seit Ende der IBA nun auch schon vergangen sind, ist über zahlreiche Aktivitäten greifbar, dass die Vielzahl der 53 Städte einem neuen Verständnis von der Unterschiedlichkeit in der Gemeinsamkeit folgt. Es wäre absurd, dem kommunalen Wettbewerb nicht im Sinne eines (über-)geordneten Einverständnisses ein gerichtetes Ziel zu geben. Es wäre anachronistisch, den globalen Herausforderungen kein einheitliches Bild entgegenzustellen. Es wäre unverantwortlich, wirtschaftspolitisch gegeneinander zu agieren, wo Aufgaben nach Kompetenzen verteilt werden können.
Wie das heißt, was sich so auf den Weg macht, kann weder mit dem Begriff Stadt, noch Metropole noch Agglomeration beschrieben werden. Es ist von allem etwas, aber keines im treffenden Sinn. Es wird etwas sein, was zulässt, dass auch unter Gleichen Führung und Voranschreiten notwendig ist, dass das Gemeinsame immer über dem Trennenden steht und dass sich der Blick im Vertrauen auf die alte Kraft auf das Neue konzentriert.
Johannes Busmann

